Gründe

Weil man nirgendwo schöner zelten kann.

Es war im Spätsommer 2018 als wir uns einige ganz essenzielle Fragen stellten. Sind wir zufrieden mit unserem Leben wie es ist? Leben wir genauso, wie wir es wollen? Sind wir frei in unseren Entscheidungen? Gemessen an dem Lebensstandard, den wir uns leisten konnten, an unseren Jobs, die wir wirklich gern machten, an unserer tollen Wohnung in einer guten Gegend und der Sorgenfreiheit, mit der wir in einer Großstadt eines der reichsten Länder der Welt leben konnten, hätte die Antwort eigentlich „Ja“ sein müssen. Das war sie aber nicht, sondern eher so „Hmmm, weiß nicht so richtig.“

Wir fühlten uns eingeschränkt von unseren Jobs. Unsere Arbeitgeber entschieden im Grunde, wann wir morgens aufstehen und dafür abends ins Bett gehen mussten. Wie lang unsere Reisen sein durften. Wann wir Freizeit hatten. Wann wir abends nicht gemeinsam essen konnten. Was für Klamotten wir kauften. Dass wir an einem schönen Sommertag nicht am Strand, sondern vor einem Bildschirm saßen.

Wir wollten etwas ändern und begannen zu überlegen, was das sein sollte. Für uns selbst arbeiten? Prinzipiell ein interessanter Gedanke, aber richtig frei ist man damit auch nicht.

Da wir schon immer gern reisten und mittlerweile ein eingespieltes Team geworden sind, haben wir auch daran gedacht. Aber geht das so einfach? Können wir einfach so aufhören zu arbeiten und stattdessen durch die Weltgeschichte fahren? Was hält uns eigentlich davon ab?

Die Wohnung? Braucht man auf Reisen nicht. Das Geld? Wenn man vorher spart und währenddessen sparsam lebt, braucht man gar nicht viel. Familie und Freunde? Tja, die würden ohne Frage fehlen. Aber über das Internet kann man fast immer und überall mit jedem Menschen in Kontakt treten. Und über Besuch unterwegs würden wir uns riesig freuen. Fußball, Hansa? Ja, würde definitiv auch wahnsinnig fehlen, kann aber kein Grund sein, sich einen Lebenstraum nicht zu erfüllen. Ein geregeltes Leben? Nah, wird auch irgendwann langweilig.

Am 7. September 2018 sahen wir im Kino den Film „Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt“ von Gwen und Patrick aus Freiburg, die dreieinhalb Jahre um Welt getrampt sind. Wir waren schwer beeindruckt von dieser Reise, den Begegnungen und Erlebnissen der beiden, sodass es nur noch eine Woche des intensiven Nachdenkens gebraucht hat, bis die Entscheidung endgültig feststand: Wir gehen auf Weltreise.

Aber wie? Das Trampen liegt uns nicht so sehr, im eigenen Auto zu reisen ist uns zu touristisch, wandern dauert zu lange, fliegen geht zu schnell. Also entschieden wir uns für das Fahrrad. Wir sind keine großen Fahrradnarren und haben noch keine echte Reise auf dem Rad unternommen, aber es gibt uns die Möglichkeit, diese Reise so zu gestalten wie wir wollen.

Gleichzeitig unabhängig und abhängig zu sein. Immer mittendrin, nie hinter einer Scheibe. Draußen, an der frischen Luft, in der Sonne, im Regen, gegen den Wind. Die Welt und die Natur zu spüren. Langsam genug zu sein, um die Welt zu wahrzunehmen und für ein Gespräch anzuhalten. Genug Stauraum für ein Zelt und das Nötigste zu haben, zu wenig für Überflüssiges. Und vor allem: keine Termine zu haben. Keinen Fahrplan, kein Meeting, kein Urlaubsende. Nur wir, unser Leben, unsere Erfahrungen. Unsere Freiheit.

Wir begannen also zu planen, zu sparen, mit der Familie und Freunden darüber zu sprechen, Fahrräder zu kaufen, alles Überflüssige zu verkaufen, Jobs zu kündigen, die Wohnung leer zu räumen. Derzeit sind wir noch mitten drin in den Vorbereitungen, aber im Sommer 2019 soll es losgehen.

Wir sind glücklich, diese Entscheidung getroffen zu haben, darüber, mit jemandem auf diese Reise gehen zu können, der diese Begeisterung teilt, darüber, dass unsere Familien uns unterstützen und unsere Freunde sich mit uns freuen. Es kann eigentlich nur großartig werden!

4 Kommentare

  1. Ja , das ist schon eine mutige Entscheidung. Die Entscheidung ist richtig, denn Ihr habt sie getroffen und ich beneide Euch schon heute um die Abenteuer, die Ihr erleben werdet. Ja und besuchen werden wir Euch auf jeden Fall irgendwo in der Welt.

  2. Tolle Sache! Viel Glück und vor allem „Gesundheit“. Es gibt viele Gründe die man nennt etwas nicht zu tun – meist aber fehlt nur der Mut. Grüsst mir die Welt !!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.